Inhalt
Vor dem Hintergrund des rasanten Fortschritts generativer KI treten künstliche Agenten zunehmend als Gesprächspartner:innen, Berater:innen oder sogar therapeutische Begleiter:innen auf. Chatbots und soziale Roboter simulieren Empathie, Verständnis und persönliche Zuwendung in einer Weise, die sie für viele Nutzer:innen kaum noch von menschlichen Interaktionspartner:innen unterscheidbar erscheinen lässt. Dies wirft nicht nur technische, sondern vor allem anthropologische, psychologische und psychotherapeutische Fragen auf.
Das Webinar untersucht die grundlegenden Unterschiede zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz aus der Perspektive einer phänomenologischen Theorie von Verkörperung und Intersubjektivität. Im Mittelpunkt steht die Frage, was kommunikatives Verstehen, Empathie und therapeutische Beziehung tatsächlich voraussetzen. Es wird gezeigt, dass menschliches Verstehen nicht auf sprachlicher Informationsverarbeitung oder der Produktion passender Antworten beruht, sondern auf leiblicher Resonanz, gemeinsamem Welterleben und der wechselseitigen Anerkennung eines subjektiven Gegenübers. KI-Systeme können diese Prozesse zwar zunehmend überzeugend simulieren, verfügen jedoch weder über Bewusstsein, noch über Gefühle oder eine geteilte Lebensform.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den psychotherapeutischen Konsequenzen dieser Entwicklung. Anhand aktueller Beispiele aus der Chatbot-Therapie und digitaler Beziehungssysteme wird diskutiert, weshalb Nutzer:innen leicht eine Illusion von Verstandenwerden entwickeln können und welche Chancen, Grenzen und ethischen Risiken damit verbunden sind. Dabei wird das Phänomen des "digitalen Animismus" eingeführt - die Tendenz, künstlichen Systemen Subjektivität und personale Eigenschaften zuzuschreiben, obwohl diese lediglich simuliert werden.
Das Webinar richtet sich an Psycholog:innen und Psychotherapeut:innen, die die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf therapeutische Beziehungen, Vertrauen und menschliche Kommunikation reflektieren möchten. Es vermittelt eine theoretisch fundierte Orientierung für den professionellen Umgang mit KI-gestützten Anwendungen und plädiert dafür, die unverzichtbare Bedeutung realer zwischenmenschlicher Begegnung im Zeitalter intelligenter Maschinen neu zu würdigen.
Wir empfehlen auch das weitere Webinar des Referenten:
Das Gehirn als Beziehungsorgan. Eine verkörperte und ökologische Konzeption.
Achtung - Mitgliederbonus:
Bei Buchung dieser beiden Webinare: "Menschliche und Künstliche Intelligenz. Unsere Interaktionen mit künstlichen Agenten" und "Das Gehirn als Beziehungsorgan. Eine verkörperte und ökologische Konzeption"
erhalten VPA - Mitglieder 10% Ermäßigung bei gleichzeitiger Buchung beider Webinare.
Schlüsselworte:
Künstliche Intelligenz, Intersubjektivität, Empathie, Verkörperung, Digitale Psychotherapie, Digitaler Animismus
Veranstaltungsnr.: 3797