09.06.2022 - 09.06.2022,  Online

Macht und Ohnmacht - WEBINAR

Sexueller und emotionaler Missbrauch in der therapeutischen Beziehung


  • Referent/in: Mag.a Dr.in Lucilla Polosa
  • Dauer: 16:00 - 20:15 Uhr
  • Ort: Online, Zoom
  • Kosten: Euro 150,00 (für Mitglieder Euro 110,00)
  • Einheiten: 5
  • Fortbildungspunkte: 5

Inhalt

Die Beziehung ist das wichtigste Ingrediens für eine gelungene Psychotherapie. Das wird auch in vielen empirischen Studien (z.B. Orlinky und Howard, 1987; Grawe, 1998; Lambert, 1994) erforscht und bewiesen. Doch ist die therapeutische Beziehung gleichzeitig Herzstück und Stolperstein im therapeutischen Prozess (E.Jaeggi, 2001, 2003).
Aus der Literatur (Becker-Fischer und Fischer, 1996; Sonnenschein, 2000) ist zu entnehmen, dass 20% aller Psychotherapeuten, meist Männer, in allen Therapieschulen, zu Tätern werden.
Die hohen und erschütternden Zahlen des sexuellen Missbrauchs in der Psychotherapie stellen ein Problem dar, das nicht ignoriert bleiben darf. Dadurch werden nämlich die Fundamente der Psychotherapie erschüttert und in Frage gestellt.
Das Machtgefälle, das zwischen Psychotherapeut und Klient entsteht, unterliegt immer der Gefahr missbraucht zu werden.
So schreibt E. Jaeggi (2001, 2003, S.168): "Die regressive Situation des Patienten, das Festhalten daran, dass der Therapeut es "besser wissen muss", die ungleiche Verteilung der persönlichen Informationen: das alles schafft ein Machtgefälle, das ein guter Therapeut nutzen kann und nutzen muss. Nur: gerade dieses Machtgefälle scheint auch zum Missbrauch zu verführen“.
Diese Machtgefälle sind in jeder Therapierichtung zu finden.
Weiter schreibt E.Jaeggi (2001, 2003, S.171- 172) : "Manchmal schon vom Eintreten in den Praxisraum an besteht eine Abhängigkeit vom Therapeuten, die sich nur schwer auflösen lässt und ganz sicher nicht durch rationale Argumente verschwindet. Die Regression setzt bei vielen fast sofort ein: Ist man doch einfach beglückt darüber, dass überhaupt einer zuhört, sich Gedanken macht, Hilfe verspricht."
Die Bedürftigkeit und die Abhängigkeit der Klienten sind immer gefährdet, missbraucht zu werden. Ein Missbrauch im Rahmen einer Psychotherapie bedeutet immer Missbrauch durch die Abhängigkeit des Klienten. Kein Psychotherapeut, egal welcher Schule, ist vor Machtmissbrauch gefeit. Das sollte uns allen Psychotherapeuten bewusster werden.
In diesem Seminar werden die Schattenseiten der therapeutischen Beziehung, ihre Komplexität, Fassetten, Gefahren und Risiken beleuchtet. Wir werden uns mit den Schattenseiten unseres Berufs auseinandersetzen. Nur wenn wir alle PsychotherapeutInnen damit beginnen, uns mit dieser Thematik zu konfrontieren um dieses Tabu zu brechen, werden wir unseren Klienten ein hohes Maß an "Sicherheit" und "Qualität" bezüglich ihrer Behandlung bieten können.

In diesem Seminar geht es um eine Auseinandersetzung (auf der wissenschaftlichen, persönlichen, fachlichen, gesellschaftlichen und rechtlichen Ebene) mit dem tabuisierten Thema des Missbrauchs und mit den verschiedenen Formen von Kollisionen zwischen Therapeut und Klient innerhalb der Psychotherapie.

Dieses Seminar soll den TeilnehmerInnen die Möglichkeit bieten,
-zur Reflexion der eigenen "Blinden Flecken" und Inkongruenzen, die Sie in der eigenen Arbeit als TherapeutInnen zu Kollisionen, Identifikationen und missbräuchlichen Handlungen führen könnten;
-zum Erlernen bzw. Üben der eigenen Fähigkeiten im Bezug am Spüren und Wahrnehmen von bedeutungsvollen "Signalen" in der therapeutischen Beziehung, die als „Alarm-Glocke“ und Prävention für Missbrauch dienen könnten.

Anhand von Artikeln, Literatur und Fallberichte sollen Problembereiche, Risiken und Gefahren erarbeitet werden, welche die psychotherapeutische Beziehung schaden bzw. zum scheitern bringen könnten.
Ich möchte dadurch an den TeilnehmerInnen einen Raum bieten, um sich mit dieser komplexen und tabuisierten Problematik offen auseinandersetzten zu können.



Veranstaltungsnr.: 2798

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